I. Das hässliche Sein

 

Ein aufgeblasener, kleiner Mann

 

entwickelt sich zum Welttyrann.

 

Er hat den Längsten - das ist bekannt -

 

weißen Tisch im ganzen Land.

 

 

 

Ein großes Land befehligt er,

 

mit armem Volk und viel Militär.

 

Die Wirtschaft schwächelt vor sich hin,

 

nur Gas und Öl bringt ihm Gewinn.

 

 

 

Die Moneten versickern allein beim Staate,

 

sein Volk schaut dabei in die Röhre.

 

Der Freiheit beraubt schweigt es still

 

und nickt zu allem, was das Männlein will.

 

 

 

Wenn man ihn fragt: „Was treibt dich an?“

 

Schüttelt er den Kopf: „Ich bin arm dran!

 

Hab‘ nur eine kleine, arme Herde

 

und möchte gern, dass sie größer werde."

 

 

 

"Und ist mir mein großes Reich zu klein,

 

dann marschiere ich woanders ein.

 

Ich will haben, was mir nicht gehört!

 

Wenn ich es nicht kriege, dann wird es zerstört."

 

 

 

"Denn bevor sich andere daran laben,

 

dann soll es lieber keiner haben!

 

Und was mach‘ ich dort mit den ganzen Irren?

 

Die haben noch alle ihren eigenen Willen...!“

 

 

 

II. Die Anklage

 

Sitzt ein Blutgerinnsel in deiner Stirne,

 

oder wirst du dahinter langsam irre?

 

Du hintergehst dein eigenes Volk!

 

Das hat einen Bruderkrieg nie gewollt.

 

 

 

Du nennst es diabolisch „Militäroperation“.

 

Das schallt durch die Welt wie blanker Hohn.

 

Jetzt hast du die Zündschnur angezünd‘,

 

und denkst, dich trifft hier keine Sünd‘!?

 

 

 

Deine Bomben und Granaten

 

haben dein wahres Ich verraten.

 

Siehst du als Gottheit dich im Spiegel?

 

Du tötest Tausende im Kriege!

 

 

 

Vernichtest Kindergarten und Krankenhaus,

 

das sah erst nach einem Versehen aus.

 

 „Läuft wie geplant!“, kündest du erregt,

 

sprengst alles weg, bis keiner mehr lebt.

 

 

 

Vernichtest eine psychiatrische Klinik hintenan,

 

damit man dich darin nicht einsperren kann!?

 

Mit deinem  Lachen vom Trümmerfeld,

 

herrschst du über Schutt und Asche und ohne Geld.

 

 

 

Überlässt deinem Volk dieses zerstörte Erbe,

 

auf das es von ihm wieder aufgebaut werde.

 

Dein Reich ist dann zwar größer als je zuvor,

 

gleicht nach Durchschreiten doch wie ein Höllentor.

 

 

 

III.  Der Albtraum

 

Und nun erscheinst du mir im Traume,

 

ich saß mit dir in einem Raume.

 

Vor uns eine Schüssel mit Würstchen drin,

 

die widerlich aussahen, doch du langtest hin.

 

 

 

Witzeltest beim Zerkauen der dicken Riemen

 

mir war nicht mehr wohl, das anzusehen.

 

Du plantest auf großer Bühne eine Party

 

mit dir im Zenit als Landesvati.

 

 

 

Ich schlug dir etwas and'res vor,

 

eine Partyhöhle in meinem Ort.

 

Die Höhle war erst frisch entdeckt,

 

in meinem Heimatort, etwas versteckt.

 

 

Was meine Idee im Traume war,

 

ist schnell erklärt und sonnenklar.

 

Der Höhlenforscher war noch dort,

 

er hatte Sprengstoff an diesem Ort.

 

 

Den Höhleneingang sollte er mir verminen,

 

um dich dann beim Tanzen und Singen,

 

zum Wohl der Menschheit und ohne Unbehagen,

 

mit der Höhle in die Luft zu jagen.

 

 

 

Du zeigtest Interesse an dieser Location,

 

denn dort bist du noch nie gewesen.

 

So zeigte ich dir im Fels das Loch.

 

Du warst sehr belustigt - zumindest noch.

 

 

 

IV.  Das ersponnene Ende

 

Zu Ende träumen konnte ich leider nicht.

 

Hätte gerne gesehen dein erschrecktes Gesicht,

 

bevor du mit großem Getöse und hinter dem Staub

 

für immer verschwunden wärest in der Erde Leib.

 

 

 

Würdest dann wieder sitzen an einem langen Tisch,

 

und erblicktest im Hades dein eigenes Ich.

 

Wie es grinsend dir gegenüber sitzt,

 

und fahle Würstchen aus einer Schale frisst.

 

 

© by Frank Thomas Arnhold im März 2022