Das Bild

© Frank Thomas Arnhold, Februar 2021

 

Knarrender Deckel gähnt über alter Truhe,
erwachter Staub wird aufgescheucht,
aufgeregt sucht er im Luftzug Ruhe,
sein Tanz endet auf vergessenem Zeug.

Ein fahler Schein von Kerzenlicht
sich quälend über den Holzrand windet,
erkennen lässt er den Inhalt nicht
mein Blick im diffusen Dunkel endet.

Der brennende Docht muss näher heran
tropfenweise rebelliert der Wachs,
langsam kommt Licht beim Inhalt an
lässt mich erwarten einen kleinen Schatz.

Ein Zeitungsschnipsel als Zeitdokument,
Zeitzeuge der Jahrhundertwende,
Knitterfalten glatt gekämmt,
gereicht wohl einst durch viele Hände.

Bedeckt ausgebreitet Abbildungen
welche jünger wohl nicht sind
ihre Ränder sind ganz aufgesprungen,
das obige zeigt meinen Vater als Kind.

Muffiger Duft von vergangener Zeit
entströmt seiner holzigen Herberge,
trägt mit sich die Vergangenheit
auf das die Erinnerung niemals sterbe.

Eine junge Frau im nächsten Bild,
blickt müde auf von braunem Grund,
hübsche Zartheit, weiblich mild,
wurd' zur Lebzeit sie nimmer gesund.

Schöne Augen für den Betrachter,
das zarte Gesicht nett anzuseh'n.
Der Fotograf als Bildgestalter
sieht nicht ihres kranken Herzens Fleh'n.

Licht umspielt ihre schlanke Gestalt,
als das Phosphor zischend zündet,
nur dies' Bild wird wirklich alt,
ein Herzstillstand ihren Tod begründet.

Das schöne Blümchen am Wegesrand,
das noch zwei Kinder vor'm Tode gebar,
Sie wachsen zu seh'n blieb ihr versagt,
sie starb mit achtundzwanzig Jahr'.

Nichts ist übrig von ihrem Leben,
als nur die vergilbte Fotografie.
Und meine kleine Lyrik eben,
denn gekannt hat Vater seine Mutter nie.