Kleine Rijke

 

 

Wie damals schon, irritierst du mich,

 

mit dem Ausdruck in deinem Gesicht.

 

Deckst dich mit jenen Erinnerungen,

 

die nun ganz frisch von vorn beginnen.

 

Ich seh‘ nach  so vielen langen Jahren

 

in dir noch das sanfte Gebaren,

 

dein zartes Lächeln, obgleich es keins ist.

 

Wenige wussten, wie du wirklich bist.

 

Warst nie um Aufmerksamkeit bemüht,

 

gehörtest nie zu denen, deren Blick belügt.

 

Ich stand nie auf Augen in Braun,

 

doch deine hatten mich damals umgehau‘n,

 

Ein Ausdruck, der Schluchten überbrückt.

 

und geheimnisvoll sein Umfeld beglückt.

 

Was ehedem mich so faszinierte,

 

und mich gleichwohl so irritierte.

 

 

 

 

Verliebt sein war für uns keine Option

 

Früh trennten sich uns’re Wege schon.

 

Ein Mauerblümchen, so wunderbar.

 

Schon seltsam, wie das damals war.

 

Nach so langer Zeit, wie kann es sein,

 

sind die Erinnerungen so klar und rein.

 

Überwandst meine Schüchternheit in jenen Tagen,

 

ich war dein Tanzpartner und wie erschlagen.

 

Blühte auf  in deinem Reigen.

 

Bereit, mit dir in die Nacht zu steigen.

 

Deine Hände ich in den meinen hielt,

 

du hast dich wunderschön angefühlt.

 

 

 

 

So honigsüß warst du für mich,

 

für diesem Moment liebte ich dich.

 

Ein Gefühl, dass ich aufsaugte und genoss,

 

dein kleiner Körper - so unschlagbar groß.

 

Wie er mit weiblichen Formen warb,

 

doch es für uns nur diesen Abend gab.

 

Du zaubertest das Paradies für mich.

 

Immer wieder sah ich in dein Gesicht.

 

Auf dem Ball ein Paar für unsere Tänze.

 

Unser Alter zählte gar nur sechzehn Lenze.

 

Eine kurze Liebe, die fast schon tragisch

 

endete  und bald schon wie magisch,

 

das kleine Jetzt zum Halten brachte,

 

doch niemand an eine Zukunft dachte.

 

Man hat’s in Büchern schon gelesen:

 

Sie haben sich einfach so vergessen.

 


 

Wie du dort weilst nach langen Jahren.

 

wird die Erinnerung zurück getragen.

 

Was mich damals hat so irritiert,

 

hast du im Ausdruck konserviert.

 

Wie früher trägst du noch dein Haar,

 

dem ich damals war beglückt so nah.

 

Einem Zeitfenster sind deine Augen gleich,

 

waren damals an Wärme schon so reich.

 

Frage mich was ist in den Jahr’n geschehen?

 

Hast auch du den Abend gleich gesehen?

 

 

 

 

Hast du dir ehemals schon genügt,

 

und bis heute dir nichts beigefügt?

 

Hat das Leben dich allenfalls belogen

 

und um dein großes Glück betrogen?

 

Hast du dein Leben recht gelebt,

 

bis heute dir einen Wunsch erstrebt?

 

Wurde je eine Sehnsucht dir erfüllt,

 

oder nur vom Alltag eingehüllt?

 

Hast bei Zeiten ein Glück erfahren,

 

oder bist du nur da um schwer zu tragen?

 

 

 

Tust mir fast Leid, wie du dort stehst,

 

und Omas Strickjacke austrägst.

 

Steckst in schwarzen Sonntagsschuhen,

 

da ist kein Feuer mehr, kein Glühen.

 

Bist zur Hol- und Bringmagd degradiert

 

und fast schon ärmlich ausstaffiert.

 

Weichst nicht von deinem trunkenen Mann,

 

der bald auf  Zweien nicht stehen kann.

 

Bringst ihn zum Heim ins gemeinsame Bett,

 

der besser dich über die Schwell‘ getragen hätt‘.

 

Hast deine Kinder bis heute groß befehligt,

 

und dein übriges Leben scheint erledigt.

 

 

 

Gar nichts mehr weiß ich heuer noch von dir,

 

und ich denke, es genügt mir hier.

 

Denke an einst und halte inne,

 

diese Erfahrung für meine Gefühlsvitrine.

 

Obschon den Abend ehemals, denk‘ ich mir,

 

das Schöne an ihm verdank‘ ich dir.

 

 

 

 

©2015 Frank Thomas Arnhold