Angst

 

War sie weit von dir, verbannt,

beschwingtes Leben, so federleicht.

Ihre Wiederkehr war nicht geplant.

Ganz heimlich hat sie dich erreicht.

 

Passt sie auch in einen Fingerhut,

du kannst dich kaum an sie erinnern,

ist oft die Welt ihr nicht genug,

und fängt an nach dir zu fingern.

 

Sie hat die Hand schon ausgestreckt,

eh du dich ihrer wirst gewiss.

Bei dir hat sie jetzt Blut geleckt,

kommt über dich im Würgegriff.

 

Sie findet den rechten Augenblick

Nimmt fordernd, fest, Besitz von dir.

Ihr Schatten sitzt dir im Genick.

Umhüllt dich leis‘ mit großer Gier.

 

 

Bestimmt, wieviel du atmen darfst.

Durchbohrtes Herz verhärtet sich.

Sie spielt mit dir, bis du versagst.

Und dieses Spiel gefällt dir nicht.

 

Packt eiskalt zu, lässt nicht mehr los,

du kannst ihr nicht entrinnen,

stehst ihrer Willkür arm und bloß,

sie frisst dich auf von innen.

 

Ein eisiger Hauch, deine Haut gefriert,

Kaltschweiß wächst auf deiner Stirne.

Als Steuermann sie fest regiert

das Schiff Mensch in ihrem Sinne.

 

 

Dein Rücken presst sich an die Wand,

die dir den einz’gen Ausweg nimmt.

Und oberhalb der Klippenkant'

die letzte Glut in dir verglimmt.

 

Beherrschung deiner ist ihr Begehr,

dein Ich muss sich erheben!

Gib die Kontrolle ihr nicht her.

Du hast nur dieses Leben.

 

 

Ergreifst das Ruder mit fester Hand.

Du bist der Käpt’n auf diesem Schiff!

Nicht umsonst ist dein Verstand,

und du umschiffst das tödliche Riff.

 

Lässt dir den Sieg nicht nehmen,

obschon der Krieg nicht gewonnen ist.

Bist sicher, sie wir wieder kehren,

doch einfach machst du es ihr nicht!

 

© 2015 Frank Thomas Arnhold